This website is using cookies

We use cookies to ensure that we give you the best experience on our website. If you continue without changing your settings, we'll assume that you are happy to receive all cookies on this website. 

Heine, Heinrich: Erklarung

Portre of Heine, Heinrich

Erklarung (German)

Herangedämmert kam der Abend,

Wilder toste die Flut,

Und ich saß am Strand, und schaute zu

Dem weißen Tanz der Wellen,

Und meine Brust schwoll auf wie das Meer,

Und sehnend ergriff mich ein tiefes Heimweh

Nach dir, du holdes Bild,

Das überall mich umschwebt,

Und überall mich ruft,

Überall, überall,

Im Sausen des Windes, im Brausen des Meers,

Und im Seufzen der eigenen Brust.

 

Mit leichtem Rohr schreib ich in den Sand:

„ Agnes, ich liebe Dich! ”

Doch böse Wellen ergossen sich

Über das süße Bekenntnis,

Und löschten es aus.

 

 Zerbrechliches Rohr, Zerstiebender Sand,

Zerfließende Wellen, euch trau ich nicht mehr!

Der Himmel wird dunkler, mein  Herz  wird wilder,

Und mit starker Hand, aus Norwegs Wäldern,

Reiß ich die höchste Tanne,

Und tauche sie ein

In des Ätnas glühenden Schlund, und mit solcher

Feuergetränkten Riesenfeder

Schreib ich an die dunkle Himmelsdecke:

„ Agnes, ich liebe Dich! ”

 

Jedwede Nacht lodert alsdann

Dort oben die ewige Flammennschrift

Und alle nachwachsende Enkegeschlechter

Lesen jauchzend mit Himmelsworte:

„ Agnes, ich liebe Dich! ”

 

 

 



Uploaded bySzalki dr. Bernáth Attila
PublisherSzalki Bernáth Attila magánkiadása
Source of the quotationAuch ich versuchte...
Bookpage (from–to)22-25
Publication date

minimap